Eine Industrie am Scheideweg

Elektromobilität – schon seit einiger Zeit stellt sich nicht mehr die Frage, „ob“ sie sich durchsetzen wird, sondern „wann“ das sein wird.

 

 

Getreu dem Motto „Das Beste ist der Feind des Guten“ macht sich auch unsere Wirtschaft und Politik daran, den Wandel zumindest zur Kenntnis zu nehmen.

 

 

Während Chinesen, Koreaner und auch unsere französischen Nachbarn zumindest einige brauchbare und bezahlbare Fahrzeuge im Portfolio haben, tut sich die deutsche Industrie jedoch noch sehr schwer. Eine Studie jagt die nächste, aber vor 2020 wird kaum ein deutscher Hersteller etwas Konkurrenzfähiges im Angebot haben.

 


Aus verschiedenen Gründen wird von dieser Seite gefühlt alles versucht, um den Wandel aufzuhalten. Allerdings haben wir es mit einem Wandel zu tun, ähnlich dem von der Dampfmaschine zum Verbrennungsmotor. Oder, und jetzt wird es interessant, von der Kohle zum Öl...

 

Noch etwa anderthalb Jahre, dann schließt auch die letzte deutsche Steinkohle-Zeche „Prosper Daniel“ in Bottrop. Der Grund dafür ist einfach: Zum einen wird in anderen Ländern (China, Australien, etc.) Steinkohle im Tagebau abgebaut, was deutlich preiswerter ist, als sich 1.000m in die Tiefe zu graben, zum anderen sind alternative Energieträger in den letzten Dekaden auch deutlich preiswerter geworden.


Allerdings wird der heimische Steinkohleabbau seit über 50 Jahren stark subventioniert. Es wird also ein Dinosaurier mit Steuergeldern künstlich am Leben gehalten. Vermutlich wäre es deutlich preiswerter gewesen, den Kumpels in den 1970ern einen anständigen „goldenen Handschlag“ zu geben und einfach abzuschließen. Getreu der Redewendung „Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.“

 

Aber welche Lehren wurden daraus gezogen? Vor wenigen Wochen noch waren unsere Bundeskanzlerin nebst Außenminister in China, um dort gegen die geplante E-Auto-Quote zu intervenieren. Weil diese ja der heimischen Autoindustrie schaden würde (was sie mit Sicherheit auch zunächst tun wird).

 

Macht es also Sinn, eine an sich hochinnovative Industrie vor Innovationen zu beschützen, anstatt sie zu zwingen, im Wettbewerb wieder vorn mit dabei zu sein? Sicherlich, der Wandel zum Elektroauto wird, neben jeder Menge Geld für die Entwicklung neuer Fahrzeuge und Technologien, Arbeitsplätze kosten. Und ja, die Autoindustrie ist die letzte große Industriesparte, die Deutschland geblieben ist, nachdem Bergbau, Schiffsbau, usw. den sprichwörtlichen Bach runtergegangen sind. Aber wenn wir nicht aufpassen, wird es auch der Autoindustrie so gehen. Und dann gehen nicht nur einige, sondern viele Arbeitsplätze verloren.


Möglicherweise wird dann auch wieder stark subventioniert werden, womit der Allgemeinheit die Bürde für die Versäumnisse von Politik und Wirtschaftsführung aufgelastet würde. Die Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit entsprechender Förderungsprogramme in Zeiten von EU-Regularien ist da aber noch nicht mal gestellt…

 

 

Der Verbrennungsmotor, des deutschen Autoingenieurs liebstes Kind, ist aber einfach nicht mehr Zeitgemäß. Unabhängig der zugrundeliegenden Auslöser für diesen Wandel kann man es mögen oder auch nicht, es zu leugnen ist aber definitiv gefährlich und in höchstem Maße fahrlässig.

 

 

Es ist an der Zeit, diesen Wandel zu erkennen, ihn zu akzeptieren und vor allem die verlorene Zeit wieder aufzuholen.

 

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